Der Kanzlerin klare Worte – Angela Merkel im „Will“-Interview

„Ich kann vieles im Zusammenhang mit der Hypo Real Estate nicht verstehen.” Dies waren die Worte der Kanzlerin gestern Abend bei „Anne Will“. Wahrscheinlich spricht sie damit einem Volk aus dem Herzen, dass am liebsten diejenigen in die Wüste schicken würde, die dafür verantwortlich sind, dass Milliarden von Steuergeldern in eine Bank gepumpt werden, die sie selbst durch den Schornstein gejagt hat. Ja, die Hypo Real Estate bleibt weiter ein wichtiges Thema.

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Doch auch für den in Ungnade gegangenen und inzwischen vorbestraften ehemaligen Postchef Klaus Zumwinkel fehlt ihr das Verstehen seines Handelns. Auf die Frage hin, was sie zu den millionenschweren Pensionszahlungen an Zumwinkel hält, kam eine klare Antwort: “Es ist jenseits dessen, was man sich vorstellen kann. Ich kann es auch insbesondere leider bei jemandem, den ich sehr hoch geschätzt habe, nicht verstehen. Ich weiß auch gar nicht, ob manche Personen, die Vorbildwirkung für das ganze Land hatten, verstehen können, welche Enttäuschung sie produzieren.”

Die Kanzlerin der Krise, nicht die Kanzlerin in der Krise, das zeigte sie auch klar bei der gestrigen Sendung von Anne Will, die nur auf Angela Merkel ausgerichtet war.“ Ja, ich glaube schon.“, kam auf die Frage von Frau Will, ob sie als Kanzlerin die Richtige in der Krise sei. Und: „Diese Krise ist da, und ich bin die Bundeskanzlerin, und ich werde sie mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft, und das ist eine ganze Menge, versuchen, mit anderen zusammen zu meistern, und zwar so, dass Deutschland aus dieser Krise gestärkt hervorgeht und nicht geschwächt.”

Es ist interessant, zu sehen, wie die Bundeskanzlerin sich den Fragen stellt und nicht ausweicht. Ihr Vorgänger, Gerhard Schröder, war in solchen Situationen immer bis zur Selbstherrlichkeit empor gestiegen und dennoch waren seine Worte blass geblieben bis zum Schluss. Sie hat ihre Aufgabe längst erkannt, und gibt sich ihr auch hin. Viele Zweifler gab es, als Angela Merkel zur Kanzlerkandidatin der Unionsparteien gekürt wurde, noch viel mehr trauten ihr dieses Amt nicht zu. Ich auch nicht, das muss und kann ich nur freimütig gestehen. Doch seit ihrem Amtsantritt im November 2005 überrascht sie immer wieder. Und stellt sich fast mit Weisheit hinter ein Land, dem vorzustehen nicht gerade einfach ist. Dennoch hat Deutschland seit dem ersten Tag in ihrem Amt als Kanzlerin mehr und mehr an Ansehen gewonnen in der ganzen Welt. „Du bist Deutschland“? Ja, Du, und ich und auch unsere Kanzlerin. Und gemeinsam wird die Krise zu meistern sein, wenn wir bereit sind, über alle Parteigrenzen hinweg an dem einen Strang zu ziehen, der uns aus der Rezession reißt und uns einen neuen Aufschwung bescheren wird…