Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Löhne/Arbeitsmärkte von Bernhard Fleischmann
Regensburg (ots) – Der flächendeckende Mindestlohn rückt näher;
Gewerkschaften fordern satte Lohnsteigerungen und weitergehende
Verpflichtungen der Arbeitgeber; in Südeuropa protestieren
Abermillionen Arbeitslose. Was hat das alles gemeinsam? Es ist die
Unzufriedenheit der – ob nur gefühlt oder tatsächlich –
Zu-Kurz-Gekommenen. Sie, die große Mehrheit der Bevölkerung, findet
sich nicht mehr damit ab, dass sich seit Jahrzehnten immer mehr
Kapital in immer weniger Händen konzentriert. Die Beschäftigten und
kleinen Unternehmer wurden zu ohnmächtigen, auf Diätkost gesetzte
Passagieren, während Kapitäne und Offiziere sich den Bauch
vollschlagen. Und seit diese im Suff das Schiff gegen ein Riff
krachten, müssen die Passagiere mühsam das Wasser rausschöpfen und
das Leck abdichten. Wenn jetzt beklagt wird, die Forderungen der
Gewerkschaften seien zu hoch, dann mag das nicht aus der Luft
gegriffen sein. Wollen die Unternehmenslenker das glaubwürdig
vertreten, müssten sie aber mit gutem Beispiel vorangehen. Davon ist
jedoch weit und breit nichts zu bemerken.
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