Die Abrechnung mit der Finanzbranche

„Die Finanzbranche muss aufpassen, dass sie sich von der Gesellschaft nicht noch weiter entfernt“, sagte der Chef des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer nun in einem Interview. In der „Bild“ ließ er seinen Worten freien Lauf – und sprach dabei aus, was wohl die meisten von uns denken: „Wer den Nutzen hat, muss auch für den Schaden aufkommen.“

Doch stattdessen risikieren die Banken wieder „eine ziemlich dicke Lippe“, wie Kanzlerin Merkel vor einigen Tagen schon klar in den weiten Raum unserer Republik warf. Werner Wenning, der Vorstandsvorsitzende von Bayer, schloss sich nun dieser Meinung auch öffentlich an. „Pauschalurteile sind immer schwierig.“ meinte er dazu. Aber auch weiter: „Ich gebe Frau Merkel in der Tendenz aber recht.“

Über die „Spätfolgen der Finanzkrise“ schrieb derweil der Präsident des ifo, Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, einige beunruhigende Tatsachen in einem Exklusivtext für die „Wirtschaftswoche“: „Die Tragweite dieser Ereignisse können wir heute noch gar nicht ermessen. Zum einen ist das deutsche Bankensystem sehr viel mehr geschädigt, als es die Bankbilanzen bislang zeigen. Kaum mehr als 40 Prozent der nötigen Abschreibungen auf die toxischen Papiere sind bislang realisiert.“

Das heißt, die Welle von Verlusten in Milliardenhöhe wird wohl weitergehen, wenn Sinn Recht haben sollte.

Weihnachten steht vor der Tür, eigentlich ein Grund zum Freuen. Aber viel mehr ist nun vielleicht endlich die Zeit der Abrechnung gekommen mit der Bankenbranche – wenn auch viel zu spät. Die Hebel hätten früher greifen müssen, ein Aufwachen wäre viel früher notwendig gewesen. Aber die wenigen Experten, die bereits im Frühjahr und Sommer des Jahres 2007 vor dem Ausbruch der Immobilienkrise in den USA gewarnt hatten, waren nicht gehört worden. Nun ist der Schaden um ein Vielfaches höher, als damals abzusehen gewesen war. Wäre der ganzen Kreditsumpf vorher gebremst worden in den USA, und die Kreditzinsen nicht plötzlich in schwindelerregende Höhen seitens der Banken geschraubt worden, hätte die ganze Finanzmarktkrise nicht solche Ausmaße angenommen. Doch Wegsehen ist immer das einfachste Mittel, die Wahrheit nicht wahrnehmen zu wollen und stattdessen die bittere Realität zu verdrängen…

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