Arcandor im Sumpf aus Insolvenz und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Manche Dramen sind noch viel schlimmer, als sie sich zu Beginn des ersten Aktes darstellen. Denn manchmal ist der erste Akt nur eines kurzes Abbild dessen, was sich in den weiteren Akten wirklich abspielen wird. Das Theater um Arcandor, den Mutterkonzern von Arcandor und Thomas Cook ist eines solcher Dramen.

Bis vor einiger Zeit noch mit dem Reiseveranstalter Thomas Cook gut aufgestellt, mit den ewig gleichen Problemen von Karstadt belastet, ging Arcandor nun immer mehr die Luft auf. Es wurde nach Staatshilfe geschrieen, ein von vorneherein absehbar unnötiger Antrag beim Wirtschaftsfonds Deutschland gestellt, der am gestrigen Tag endgültig abgelehnt wurde. Bereits im Vorfeld hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers Arcandor in einem Prüfbericht klar gemacht, dass der Antrag nichts bringen würde, da das Unternehmen bereits vor Ausbruch der Wirtschaftskrise Land unter war. Dies berichtete zumindest das „manager magazin“, das kurz darauf von Arcandor selbst angegriffen wurde in einer Pressemitteilung. „Offensichtlich wird derzeit versucht, unseren Business-Case öffentlich zu demontieren und damit die Existenz des Unternehmens und seiner über 50.000 Mitarbeiter in Deutschland zu gefährden. Die Sanierungsfähigkeit von Arcandor ist durch ein aktuelles Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG vom 20. Mai 2009 gerade erst festgestellt worden. Die Arcandor AG erfüllt nach intensiver Prüfung durch alle von uns befragten Experten die Kriterien für einen Bürgschaftsantrag.“ heißt es da. Doch Realismus ist nun mal Realismus, und hausgemachte Probleme werden nun mal eben bei großen Wirtschaftsunternehmen vom ganzen Land unter die Lupe genommen, gerade in schweren Zeiten wie den gegenwärtigen. Und da stellt sich eben die Frage, lohnt sich eine Finanzierung von Seiten des Staates aus, oder sollte man nicht besser den Weg in die Insolvenz beschreiten, um einen wirklichen Neuanfang machen zu können.

Noch gestern war folgende Stellungnahme von Arcandor ausgegeben worden:

„Stellungnahme zur Rettungsbeihilfe

Die Arcandor AG hat zur Kenntnis genommen, dass die beantragte Rettungsbürgschaft über 437 Millionen Euro nur dann gewährt wird, wenn es über die bereits vorhandenen Zusagen weitere Beiträge von Eigentümern, Banken und Vermietern gibt. Aus diesem Grund wird der Vorstand heute Abend und im Laufe des morgigen Vormittags erneut die Gespräche mit den Beteiligten suchen, um alle Möglichkeiten für eine weitere Aufstockung der Zusagen auszuloten und das Verfahren offen zu halten.“ Doch eine Finanzierung ist nun einmal nur dann wirklich sinnvoll, wenn sie auch tatsächlich eine Veränderung im positiven Sinne bringt. Andernfalls ist es für das gesamte Unternehmen vielleicht wirklich weitaus besser, in die Insolvenz zu gehen, weil alles andere sowieso nichts mehr bringt.

Heute aber ist klar, es wird nichts mehr aus der ganzen Sache um einen Kredit zur Rettung von Arcandor. Alles Schreien vom Chef des Ladens, von Karl-Gerhard Eick, war also vergeblich. Leider leider hat der gute Mann nicht begriffen, wie unangenehm er damit aufgefallen ist, so dass sogar Wirtschaftsminister zu Guttenberg bei einer Podiumsdiskussion in Berlin direkt in seine Richtung sprach, ohne den Namen Eick zu nennen. Dennoch wusste jeder, wer mit den Worten: „Diese Kriterien“ für staatliche Maßnahmen „können nicht die Lautstärke des Rufens sein und auch nicht die Medienrelevanz der betroffenen Unternehmen.“ gemeint war.

Doch das Drama ist nicht vorüber mit dem abgewiesenen Kredit aus dem Kredit- und Bürgschaftsprogramm des Bundes. Nein, die Sache geht noch weiter. Heute hat Arcandor beim Amtsgericht in Essen Insolvenz angemeldet wegen drohender Zahlungsunfähigkeit. Zugleich laufen inzwischen Ermittlungen wegen möglicher Insolvenzverschleppung durch Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick, nachdem eine Privatperson Strafanzeige erstattet hat. Und auch sein Vorgänger, Thomas Middelhoff, ist im Visier der Staatsanwaltschaft Essen wegen seiner Beteiligungen an Immobilien, die einstmals der Warenhauskette Karstadt gehörten und inzwischen für teures Geld an die Warenhäuser vermietet wird. Ein einziger Sumpf, mag man denken. Ja, ein einziger Sumpf. Vielleicht wird das Insolvenzverfahren dafür sorgen, dass in dem maroden Laden endlich richtig aufgeräumt wird. Und wenn der Schock für die Angestellten von Karstadt nun auch groß sein wird, besser konnte es nicht kommen. Denn realistisch betrachtet wäre der Karren so oder so in den Dreck gefahren irgendwann. So aber übernimmt ein Insolvenzverwalter das Ruder, und wir halten es da mit Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg: „Wir sind aufgerufen, in diesem Land der Stigmatisierung des Begriffes Insolvenz entgegen zu wirken.“ Es könne „sehr wohl sein, dass in den nächsten Wochen und Monaten diese Option eine hilfreichere sein mag.“ Und Arcandor ist genau ein solcher Fall. Hier ist die Option Insolvenz für die Sanierung und Gesundung eine weitaus bessere Wahl als Geld reinzuschütten in ein Unternehmen, in dem sich an sich nichts ändern würde und der Konzern in einigen Monaten wieder an den staatlichen Tropf müsste, um neue Kredite zu erhalten. Denn manche Dinge sind eben auch bei Dramen von Anfang an absehbar, aber eben nur manche.

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